Wu
Mr. Baynes, ein Schwede
auf Geschäftsreise, fliegt
mit der Lufthansa nach San Francisco, wo er einem wichtigen japanischen
Handelspartner schwedische Plastik- und Kunstharzerzeugnisse vorführen
will. Dabei gerät er mit einem neben ihm sitzenden Künstler namens
Lotze ins Gespräch, der in San Francisco eine Ausstellung vorbereitet.
Mr. Baynes entschuldigt sich dafür, Lotzes Arbeiten nicht zu kennen – er
selbst möge eigentlich nur die alten Kubisten und Abstrakten. Aber
das, erwidert Lotze, sei doch die Zeit der spirituellen Dekadenz gewesen,
der jüdischen Plutokratie. Mr. Baynes nickt. Doch kurz vor der Landung
teilt er dem Künstler ganz unvermittelt mit, daß er ein Jude
sei und sich unerkannt in den höchsten Nazizirkeln bewege. Mr. Baynes
ist kein Schwede, sondern ein Deutscher, der für die deutsche Abwehr
arbeitet. Das Flugzeug ist raketengetrieben. Nach dem gewonnenen zweiten
Weltkrieg haben sich Deutschland und Japan die Welt geteilt, San Francisco
liegt im japanischen Teil der ehemaligen USA. Hitlers Nachfolger, der Reichskanzler
Martin Bormann, plant, nun auch Japan durch einen unangekündigten
enormen Nuklearschlag in der Operation Dandelion zu unterwerfen. Mr. Baynes’ Aufgabe
ist es, den alten japanischen General Tedeki davon zu unterrichten und
die Japaner dazu zu bringen, mit der SS, die aus machtpolitischen Gründen
gegen die Operation ist, Kontakt aufzunehmen. General Tedeki begreift,
daß er mit dem schlimmsten Teil der deutschen Gesellschaft zusammenarbeiten
muß, will er Japan retten.
In Philip K. Dicks The Man in the High Castle [1] taucht noch ein anderes Buch auf, The Grasshopper lies heavy, ein Buch, das alle lesen, obwohl es verboten ist. Es wurde von einem Schriftsteller geschrieben, der dafür das I Ging befragt hat – und das I Ging lügt nicht. In diesem Buch wird eine alternative Realität beschrieben, in der die Alliierten den Krieg gewonnen haben.
Für einen kurzen Moment gerät der japanische Geschäftsmann, dessen Büro als Tarnadresse für das konspirative Treffen dient, in diese andere Realität, in der Japanern nicht automatisch Platz gemacht wird, es keine Rikschataxis gibt und die sich zu seinem Glück nicht als dauerhaft erweist. Er hatte zu lange auf ein seltsam unfertiges Silberschmuckstück geschaut – das erste neue Kunstwerk des besiegten Amerika, in dem längst nur noch Vorkriegsamerikana gehandelt werden. Verkauft wurde es ihm von einem Antiquitätenhändler, der in diesem Silberwirbelchen Wu [2] entdeckt hatte.
Es ist kein Zufall, daß Philip K. Dick, dessen Vertrauen in eine uns allen gemeinsame Realität im Laufe seines Lebens immer mehr schwand, das glaubwürdige Szenario einer Welt entwarf, in der die Nazis über Atombomben verfügen und den Krieg gewonnen haben. Man kann sich kaum eine Weggabelung der Geschichte vorstellen, an der ein Abzweig bedrohlicher wäre. Auch deswegen gibt es eine nicht beendbare Debatte darüber, warum es keine Atombombe der Nazis gegeben hat.
Die Umstände
Während der ersten Kriegsjahre hatten die Gegner Deutschlands,
vor allem die Briten, allen Grund zur Sorge. Ein Aufsatz über eine
Uranmaschine zur Erzeugung von Energie wurde von einem Mitarbeiter Otto
Hahns und Liese Meitners, die die Kernspaltung entdeckt hatten, schon im
Juni 1939 veröffentlicht. Im selben Jahr bildete das Heereswaffenamt
den Uranverein, der nach militärischen Anwendungen für die Kernenergie
forschte. Nun beschäftigten sich unter anderen der führende deutsche
theoretische Physiker, Werner Heisenberg, sowie sein brillanter Assistent
Carl Friedrich von Weizsäcker mit den Grundlagen einer Uranmaschine,
die Energie liefern könnte, aber auch mit der Möglichkeit einer
Atombombe. Deutsche Truppen eroberten die Uranbergwerke von Joachimsthal
in der Tschechoslowakei, die einzigen in Europa, und wenig später
die einzige Schwerwasseranlage der Welt, die Norsk Hydro bei Rjukan in
Norwegen. Dann fielen ihnen auch noch die belgischen Uranerzvorräte
der Union Minière in die Hände. Bis 1942 war der Forschungsstand
in Deutschland und Amerika ungefähr gleichauf, obwohl man durch die
strenge Geheimhaltung und den Veröffentlichungsstop nichts mehr voneinander
wußte. Aber dann traten die deutschen Forscher auf der Stelle, während
die Amerikaner riesige Fortschritte machten. Das hatte mehrere Gründe.
Natururan besteht fast ausschließlich aus nicht spaltbarem U 238 und enthält nur in geringen Mengen das Isotop U 235, das durch Beschuß mit schnellen Neutronen spaltbar, aber schwer zu isolieren ist. Bei jeder Spaltung werden Neutronen frei, die eine Kettenreaktion in Gang setzen. Diese Kettenreaktion entwickelt eine enorme, vorher unvorstellbare Sprengkraft. Zur Isotopentrennung kann man ein Zyklotron benutzen, aber in Deutschland gab es keines, während in Amerika schon vor Kriegsbeginn neun fertig und siebenundzwanzig im Bau waren. Die Verbindung zwischen Wissenschaft und Industrie war hier viel selbstverständlicher. Die Deutschen hatten zwar das unfertige Pariser Zyklotron von Frederic Joliot-Curie erobert, aber Schwierigkeiten mit der Anlage. Andere Versuche der deutschen Forschergruppen zur Isotopentrennung scheiterten.
Die Deutschen hatten schon früh begriffen, daß man auch Plutonium als Sprengstoff verwenden konnte, und die Forschergruppe um Heisenberg hatte das auch dem Heereswaffenamt mitgeteilt. Plutonium ist ein in der Natur nicht vorkommendes Element, daß aber in Atomreaktoren erbrütet werden kann. U238 absorbiert langsame (thermische) Neutronen und zerfällt dann zum Element 93 (Neptunium, Np239), welches nach einer kurzen Halbwertzeit wiederum in das Element 94 (Plutonium, Pu239) zerfällt. Für den Reaktor benötigt man einen Moderator, sozusagen eine Neutronenbremse. Dieser Moderator besteht am besten aus Graphit oder schwerem Wasser. Graphit wurde vom Heereswaffenamt abgelehnt, weil es im erforderlichen Reinheitsgrad sehr teuer in der Produktion gewesen wäre und man auf den Ausbau der Schwerwasseranlage Norsk Hydro zählte. Wegen der abenteuerlichen Sabotage der Norsk Hydro durch die Briten und den norwegischen Untergrund und schließlich der Zerstörung des Werks durch ein amerikanisches Bombergeschwader (1943) fehlten noch beim letzten Großversuch für einen kritischen Reaktor mehrere hundert Liter schweres Wasser. Man versuchte zwar, deutsche Schwerwasseranlagen zu bauen, hatte dafür aber nicht genug Mittel. Hinzu kam die Bombardierung der halbfertigen Anlagen durch die Alliierten. Auch das Uran blieb immer knapp, und die Forschergruppen konkurrierten um wenige Kilo, während die Amerikaner die Produktion von hochgereinigtem Uran stetig steigerten. Die Forschung war auf nicht straff militärisch durchorganisiert, sondern auf mehrere Orte und Forschergruppen verteilt. [3]
Werner Heisenberg sagte später: „Die Physik davon ist im Grunde sehr einfach; es ist ein industrielles Problem. Es wäre Deutschland überhaupt nie möglich gewesen, etwas in dem Umfang aufzuziehen. In einer Hinsicht bin ich ganz froh, daß es nicht möglich war, weil es für uns alle schrecklich gewesen wäre.“ [4] Das ist so nicht ganz richtig, denn es hätte die Möglichkeit gegeben, großindustrielle Mittel für die Entwicklung der Atombombe einzusetzen.
Im Winter 1941 war die Rußlandoffensive gescheitert, und Fritz Todt, der Reichsminister für Bewaffnung und Munition, forderte Hitler dazu auf, Prioritäten zu setzen, man könne die Illusion einer Friedenswirtschaft nicht aufrechterhalten. Nach dem Flugzeugabsturz Todts machte Hitler überraschend den Monumentalarchitekten Albert Speer zu dessen Nachfolger. Nun muß man wissen, das Hitler zwar immer von einer „Geheimwaffe“ träumte, aber über das Atomprojekt zunächst nur von seinem Leibfotografen Heinrich Hoffmann „nach Art der Sonntagszeitungen“ [5] auf dem Laufenden gehalten wurde.
Das Heereswaffenamt schloß im Frühjahr 1942 aus den Berichten der Physiker, daß die Kernenergie nicht mehr kriegsrelevant sein würde – man glaubte zu dem Zeitpunkt immer noch, der Krieg sei in ein bis zwei Jahren auch ohne Wunderwaffen zu gewinnen. [6] Am 26.2.1942 hatten die Atomforscher, darunter auch Heisenberg, allgemeinverständliche Vorträge vor Vertretern von Partei, Reichsforschungsrat und Wirtschaft gehalten, die den Stand von Forschung und Experimenten realistisch darstellten: Es war möglich, eine Bombe zu bauen, aber es würde sehr teuer sein, und die Atombombe konnte auch bei einer großindustriellen Anstrengung nicht vor 1944-45 fertig werden. Der Leiter des Heereswaffenamts, Erich Schumann, hatte daraufhin das Projekt dem Reichsforschungsrat übergeben und sich der Raketenforschung unter Wernher von Braun in Peenemünde zugewandt.
Trotzdem hätten Heisenberg und die Forschungsgruppen die Anstrengungen für eine Atombombe auch danach noch forcieren können.
Auf Wunsch Speers wurde eine weitere Konferenz am 4.6.1942 in Berlin abgehalten, auf der er sich selbst davon überzeugen wollte, ob die Geheimwaffe Atombombe machbar wäre. Teilnehmer waren die Kernphysiker, Speer selbst sowie Generäle und Industrievertreter. Nach einer Reihe von Vorträgen forderte Heisenberg, der zum Leiter der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft avanciert war, nur neue Gebäude, kriegswichtige Rohstoffe und eine geringfügige Aufstockung des Forschungsetats. Heisenberg, Vater einer Familie mit sieben Kindern, versuchte sich gegen jede Eventualität abzusichern. [7] Für den stets in größten Dimensionen denkenden Speer dagegen waren Heisenbergs Forderungen so lächerlich gering, daß er schloß, die Physiker hätten selbst kein Vertrauen in ihr Projekt.
Kurz darauf, am 17.6.1942, beschlossen dagegen die Amerikaner, den Bau der Bombe voranzutreiben, indem sie das Unternehmen den Zivilisten entzogen und dem Army Corps of Engineers übertrugen. Die Deutschen gaben letztlich nur weniger als ein Prozent der über zwei Milliarden Dollar aus, die die Amerikaner in das Manhattan Engineering District, später Manhattan Project genannt, investierten. Während in den USA Fabriken aus dem Boden gestampft wurden und bis zu 150.000 Menschen in dem Projekt arbeiteten, fehlten in Deutschland nicht nur Arbeitskräfte – hier hätte man wie in anderen Industrien Zwangsarbeiter einsetzen können – sondern vor allem auch Physiker, da man viele der jungen Wissenschaftler eingezogen und die jüdischen entlassen und vertrieben hatte.
Ab 1942 arbeiteten Heisenberg und von Weizsäcker verstärkt in der astrophysikalischen Grundlagenforschung. Alle Forschungen der Experimentalphysiker galten nun einer Uranmaschine. Verschiedene Forschergruppen waren fieberhaft und bis in die letzten Kriegstage damit beschäftigt, eine durch Kernspaltung ausgelöste, sich selbstständig erhaltende Kettenreaktion zu erzeugen [8]. Wegen der Fliegerangriffe der Alliierten mußten die Institute ausgelagert werden. Das letzte, fast kritisch gewordene Experiment mit der Uranmaschine B-VIII wurde unter großen Mühen unter Heisenbergs Leitung in einer Höhle bei Haigerloch durchgeführt, nur zwei Monate, bevor die meisten der beteiligten Forscher von den Alliierten festgenommen wurden.
Die guten Absichten
Nach dem Krieg sagte Heisenberg mehrfach, er sei froh
gewesen, daß die Umstände ihnen die schwierige Entscheidung, ob
sie für
Hitler eine Atombombe bauen sollten, abgenommen hätten. Der Wissenschaftsredakteur
Paul Rosbaud meinte später dazu: „Heisenbergs Erklärung
von 1946, daß ‚äußere Umstände’ die deutschen
Atomexperten der Notwendigkeit enthoben hätten, ‚die schwierige
Entscheidung zu treffen, ob sie Atombomben produzieren sollten’,
kann man als richtig betrachten – wenn man die Unfähigkeit,
sie zu bauen, als Synonym für ‚äußere Umstände’ versteht.“ [9] Tatsächlich
hat wohl Heisenberg die grundlegenden Berechungen für die Bombe nie
wirklich durchgeführt. Möglicherweise hatte er die Menge der
für eine Bombe benötigten kritischen Masse von U235 beziehungsweise
Plutonium falsch auf mehrere Tonnen geschätzt. Otto Frisch und Rudolf
Peierls hatten in London diese Berechung, die Diffusionsgleichung, schon
1940 richtig gelöst. [10] Eine
weiterer nachweisbare Verzögerung durch Heisenberg gab es nur durch
sein Beharren auf einer Plattenanordnung bei den Versuchen zur Uranmaschine.
Schon 1942 war es dem Experimentalphysiker Karl–Heinz Höcker
klar, daß eine Würfelanordnung günstigere Ergebnisse brachte. [11]
Nach dem Krieg kursierte bald die Idee, die deutschen Wissenschaftler hätten sich im Gegensatz zu ihren amerikanischen Kollegen dem Bau der Bombe verweigert, indem sie die Heeresleitung bewußt irregeführt hätten. [12] Als wichtiges Indiz für diese Theorie gilt ein Gespräch Werner Heisenbergs mit seinem Freund und Lehrer Niels Bohr in Kopenhagen im September 1941, also noch vor der Entscheidung der Heeresleitung und Speers gegen die Bombe. [13] Carl Friedrich von Weizsäcker hatte mit Hilfe seines Vaters, des Diplomaten Ernst von Weizsäcker, für Heisenberg einen Vortrag am Deutschen Wissenschaftlichen Institut (DWI) im besetzten Kopenhagen organisiert, dem Bohr und die Mitarbeiter seines Instituts demonstrativ fernblieben. Auf einem privaten Spaziergang führten Niels Bohr und Werner Heisenberg dann ein Gespräch, daß nicht mehr rekonstruierbar und in seiner Deutung umstritten ist. Heisenberg erklärte nach dem Krieg, er habe damals die Möglichkeit gesehen, daß alle Wissenschaftler ihren Regierungen gegenüber den Aufwand einer Atombombe übertreiben und so ihren Bau verhindern könnten. Das habe er mit Bohr besprechen wollen, außerdem sehen wollen, ob er etwas für Bohr tun könne. Aber Bohr hatte zu diesem Zeitpunkt keinerlei Kontakt zu den amerikanischen Wissenschaftlern, die abgeschirmt von der Außenwelt mit dem Bau der Atombombe begonnen hatten. Zudem gab es kein einheitliches deutsches Atomprojekt, sondern konkurrierende Forschergruppen. Heisenberg hätte niemals mit allen beteiligten Wissenschaftlern, von denen einige Nationalsozialisten waren, eine Verschwörung bewerkstelligen können. [14]
Sicher ist, daß Heisenberg nicht dazu kam, diesen Vorschlag anzusprechen, da Bohr das Gespräch schockiert abbrach, sobald er verstanden hatte, daß in Deutschland unter Heisenbergs Beteiligung an der kriegerischen Verwendung von Atomenergie geforscht wurde. Daß Heisenberg ihn anfangs gebeten hatte, sich zu seinem eigenen Schutz an den deutschen Botschafter, Herrn von Rinthe-Fink, zu wenden, verstand er als Aufforderung zur Kollaboration. Außerdem hatte Heisenberg deutlich gemacht, daß er an den deutschen Sieg glaubte – zur Zeit des erfolgreichen Rußlandfeldzugs nicht ungewöhnlich für einen Deutschen. In den Entwürfen für einen nie abgesendeten Brief an Heisenberg mühte sich Bohr nach dem Krieg um eine Formulierung für den Verdacht, dieser sei in offiziellem Auftrag gekommen. [15] Es ist unwahrscheinlich, daß Heisenberg beauftragt worden war, Bohrs Kenntnisse über den Stand des amerikanischen Atomprojekts auszuspionieren, indem er das deutsche verriet. [16] Thomas Powers hebt deshalb in Heisenbergs Krieg hervor, daß der Geheimnisverrat an sich schon Sabotage war. [17] Tatsächlich wurde Bohr unmittelbar nach seiner Flucht aus Dänemark im Oktober 1943 vom britischen Geheimdienst und bei den Amerikanern von General Groves, dem militärischen Leiter des Manhattan Project, persönlich befragt. Heisenberg war der wichtigste deutsche Physiker, und Bohr der einzige Zeuge der Alliierten, der ihn während des Krieges gesprochen hatte. Er bestätigte sie in ihrer Furcht vor dem deutschen Atomprojekt, von dem nichts außer der Tatsache seiner Existenz bekannt war. Die amerikanische Geheimhaltung funktionierte hingegen sogar so gut, daß die Deutschen bis Kriegsende vom amerikanischen Atombombenprojekt nichts ahnten. Vielleicht wollte Heisenberg bei seinem Besuch doch, wie es Bohrs erster Eindruck gewesen war, herausfinden, ob Bohr irgend etwas über die amerikanischen Pläne wußte. Er befürchtete, „daß eines Tages eine Atombombe auf Deutschland abgeworfen würde. Diese Vorstellung quälte ihn ständig.“ [18]
Der Plan vom internationalen Pakt der Wissenschaftler gegen die Bombe dagegen paßt, ganz gleich, ob er damals existierte oder erst später in das Geschehen hineingedeutet wurde, viel besser zu Carl Friedrich von Weizsäcker, mit dem Heisenberg das Treffen besprochen hatte. [19] Der “grenzenlos ehrgeizige“ [20] Schüler und Freund Heisenbergs hatte diesen zur Mitarbeit am Atombombenprojekt überredet, weil er 1939 eine aberwitzige Idee gehabt hatte. „Es war der träumerische Wunsch, wenn ich einer der wenigen Menschen bin, die verstehen, wie man eine Bombe macht, dann werden die obersten Autoritäten mit mir reden müssen, einschließlich Adolf Hitlers. Ob ich nicht den Hitler rumkriege, eine vernünftige Politik zu machen. (...) Ich rede mit Hitler, ich rede spontan mit ihm und will mal sehen, was da kommt.“ [21] Zum Glück redete Hitler nicht direkt mit den Atomforschern – von Weizsäcker war es, der schon 1940 entdeckt hatte, daß sich die Bombe am besten mit Plutonium bauen ließ. [22]
Daß die exilierten, teils jüdischen Wissenschaftler in Amerika eine panische Angst vor der deutschen Atombombe hatten, wird sofort verständlich, wenn man in den 1992 freigegebenen „Farm-Hall-Protokollen“ [23] liest. Nach der Kapitulation Deutschlands wurden die zehn wichtigsten deutschen Physiker in einem Haus des britischen Geheimdienstes namens Farm Hall in der Nähe von Cambridge interniert, wo sie ohne ihr Wissen abgehört wurden.
Von Weizsäcker: „Wenn wir die Sache rechtzeitig genug angefangen hätten, hätten wir es irgendwie schaffen können. (...)“
Karl Wirtz: „Die Folge wäre gewesen, daß wir London ausgelöscht, aber noch immer nicht die Welt erobert hätten, und dann hätten sie die Dinger auf uns abgeworfen.“
Von Weizsäcker: „Ich meine, wir sollten uns jetzt nicht in Rechtfertigungen ergehen, warum es uns nicht gelungen ist, vielmehr müssen wir zugeben, daß wir gar nicht wollten, daß sie gelingt. (...)“ [24]
Das blieb nicht unwidersprochen. Wenig später bemerkt Erich Bagge zu Kurt Diebner: „Ich meine, es ist absurd von Weizsäcker, zu sagen, wir hätten gar nicht gewollt, daß die Sache gelingt. Das mag für ihn zutreffen, aber nicht für uns alle.“ [25]
Der Greif
Ziemlich unvermittelt taucht in Robert Jungks Heller
als tausend Sonnen, dem Buch also, daß die deutschen Wissenschaftler
insgesamt zu Helden des Widerstands machte, ein Mann auf, von dem sonst
nicht die Rede ist: Paul Rosbaud. „Bevorzugter Treffpunkt für
die ketzerischen deutschen Atomforscher war das Berliner Büro oder
das kleine Haus des wissenschaftlichen Verlagsleiters Dr. Paul Rosbaud.
(...) Wenn überhaupt jemand für sich in Anspruch nehmen kann,
die Seele des passiven Widerstandes der deutschen Wissenschaftler gegen
Hitler gewesen zu sein, dann dieser warmherzige Mann (...).“ [26] Zu
diesen „ketzerischen deutschen Atomforschern“ können
Freunde von Rosbaud wie Max von Laue oder Friedrich („Fritz“, „Fissel“)
Houtermans [27],
sogar Walther Gerlach gehört haben, aber nicht von Weizsäcker
oder Heisenberg, denn beiden mißtraute er. 1944, als von Weizsäcker
Professor an der Nazi-Prestigeuniversität Straßburg geworden
war, warnte Rosbaud seinen Bruder Hans Rosbaud in einem Brief vor ihm: „Der
Physiker ist bei weitem der listigste und diplomatischste. Sein Vater
ist der bekannte Herr v.W.(...). Ich empfehle dir, dich im Umgang mit
ihm auf Sachliches zu beschränken, und selbst da ist eine gewisse
Zurückhaltung wünschenswert.“ [28] Von
Weizsäcker sagte 1983 im Gespräch mit Arnold Kramish: „Ich
kannte Paul Rosbaud nur flüchtig. Ich hatte den Eindruck, daß er
mir nicht traute und deshalb nicht offen mit mir redete. Daher war ich über
seine Tätigkeit während des Krieges nicht informiert. Ich hätte
diese Tätigkeit bestimmt nicht verurteilt, auch wenn ich mich selbst
anders verhielt.“ [29] Zu
Werner Heisenberg hatte Rosbaud 1940 bei einem Besuch in dessen Dienstzimmer
gesagt, er halte die Nazis für beschränkt. Heisenberg antwortete: „Vielleicht
verstehen sie wirklich nichts, aber sie haben den Vorzug, einem Geld
zu geben, wenn der Plan, den man zu entwickeln hat, nur groß genug
ist.(sic!)“ [30] Zwei
Jahre später, bei einem offiziellen Empfang Heisenbergs, saß Rosbaud
neben dessen Frau Elisabeth, die sich gut mit ihm unterhielt. Heisenberg
warnte sie mit einem Blick. „Als der Abend zu Ende und die Gäste
gegangen waren, fragte sie Heisenberg, warum er ihr so besorgte Blicke
zugeworfen habe. ‚Ich glaube, er ist ein Spion’, antwortete
Heisenberg, ‚aber ich weiß nicht, für welche Seite – es
wäre noch viel gefährlicher, wenn er ein Spion für die
Nazis ist.’“ [31]
Paul Rosbaud war promovierter Chemiker. Als Berater für Physik beim Springer-Verlag und Wissenschaftslektor der Zeitschrift Metallurgie kannte er alle wichtigen Physiker und Chemiker. Er muß ein sehr geselliger Mensch mit vielen persönlichen Freunden gewesen sein, darunter Max von Laue, Lise Meitner und Otto Hahn. 1938 hatten diese an Versuchen gearbeitet, den Urankern mit langsamen Neutronen zu beschießen, als der Anschluß Österreichs Lise Meitner, die österreichisch-jüdischer Abstammung war, gefährdete. Lise Meitner schrieb Rosbaud später: „Ich persönlich erinnere mich gern an den letzten Abend in Dahlem, als Sie mit sehr viel freundschaftlichen Verständnis durch die Räume gingen und alles mögliche in meine Koffer legten. Ich habe auch nicht die Sendung Bücher vergessen, die Sie so sorgfältig ausgesucht haben.“ [32]
Am 22.12.1938, Lise Meitner war längst in Stockholm eingetroffen, erzählte Hahn Rosbaud von Versuchen, die bewiesen, daß neue Elemente entstehen, wenn ein langsames Neutron auf ein Uranatom trifft. Hahn und sein Helfer Straßberg begriffen aber nicht, daß sie damit die Kernspaltung entdeckt hatten. [33] Rosbaud sorgte sofort für die Veröffentlichung der Arbeit in der Zeitschrift Naturwissenschaften, wodurch das Experiment der ganzen Welt zugänglich wurde. Lise Meitner bekam einen Durchschlag des Originalmanuskripts von Hahn ins Exil gesandt, diskutierte die Ergebnisse mit ihrem Neffen Otto Frisch, der auf Weihnachtsurlaub bei ihr war, und fand schnell heraus, daß es sich um Kernspaltung handelte. Frisch brachte die Ergebnisse zu Niels Bohr, der kurz vor einer Reise nach Princeton stand, wo er Enrico Fermi, Edward Teller und anderen davon erzählte. Und diese eilten in ihre Labore, um das grüne Aufblitzen der sich in Energie verwandelnden Materie mit eigenen Augen zu sehen. Leo Szilard erinnerte sich: „Wir schalteten ein und sahen die Lichtblitze. Wir beobachteten sie eine kleine Weile, schalteten dann alles aus und gingen nach Hause. An diesem Abend bestand für mich nur noch ein sehr geringer Zweifel, daß die Welt auf ein großes Unglück zusteuerte.“ [34]
Paul Rosbaud „hatte eine sanfte Stimme und sprach Englisch fast akzentfrei. Wenn er nichts zu tun hatte, wurde er melancholisch. Wenn er redete, war er voll Leben. Bescheidenheit war eines seiner hervorstechenden Merkmale. Mit der Moral nahm er es in seinem Verhalten peinlich genau. Er war auf zurückhaltende Art stets sehr gut angezogen – und sehr britisch.“ [35] „Als die Aufforderung erging, für die Rüstung Kupfer zur Verfügung zu stellen, legte er sich einen eigenen Vorrat an. Er bat seine Gäste um ihr Kleingeld und vergrub es dann im Garten. Wenn er im Zug allein in einem Abteil saß, schraubte er sämtliche Gegenstände aus Kupfer ab und warf sie aus dem fahrenden Zug. Auf dem Postamt wurden die Leute angewiesen, immer möglichst nur eine Briefmarke mit dem entsprechenden Betrag auf die Briefe zu kleben, um Papier zu sparen. Paul schickte seine Briefe ohne Absender und mit ganzen Blöcken von Briefmarken des niedrigsten Wertes.“ [36] Seine Freude an Sabotage sollte ihn bald in eine viel gefährlichere Richtung führen.
Da er mit einigen Forschern aus dem Uranverein befreundet war, erfuhr er schon einen Tag später von seiner Gründung. Bei einem Treffen mit dem englischen Wissenschaftler R. S. Hutton, der sich gerade in Berlin befand, vertraute Rosbaud ihm die Neuigkeit an. Hutton brachte die Nachricht nach England, wo sie aber nicht amtlich erfaßt wurde. Noch im selben Jahr ließ sich Rosbaud unter dem Decknamen „Der Greif“ als Spion für den britischen Geheimdienst SIS (Secret Intelligence Service) anwerben und berichtete regelmäßig an R.V. Jones (britische wissenschaftliche Abwehr, M16) und Eric Welsh, der sich selbst als Maulwurf in einer norwegischen Farbenfabrik nahe der Norsk Hydro befand, von wo aus er die Sabotageaktionen leitete. Außerdem arbeitete er mit dem französischen Untergrund und dem norwegischen Geheimdienst zusammen. Nach Arnold Kramish, der in seinem Buch The Griffin [37] Rosbauds Leben und Spionagetätigkeit behandelt, ist er möglicherweise der Autor des legendären Oslo-Reports, in dem die Briten über Peenemünde und die NS-Geheimwaffen informiert wurden.
Der britische Geheimdienst schickte die Anweisungen an seinen Spion verschlüsselt über den BBC. Er selbst sandte ab 1939 von ihm lektorierte wissenschaftliche Bücher, in deren gedruckten Texten Nachrichten mittels eines komplizierten Codes versteckt waren, beispielsweise an Lise Meitner, die sie dann nach England an den SIS übermittelte. Viele von ihnen waren ganz einfach im Buchhandel erhältlich. „Mit Erstausgaben von Büchern konnte er selten etwas anfangen, weil die Autoren noch zu viel Kontrolle über den Text hatten. Bei späteren Ausgaben hatte der Lektor mehr Freiheit, den Text umzuschreiben und auf den neuesten Stand zu bringen.“ [38] Nachrichten wurden aber auch über den norwegischen Studenten Sverre Bergh weitergegeben, dem Rosbaud gleich nach Kontaktaufnahme in einem Bierzelt im Tiergarten von der Entwicklung in Peenemünde berichten konnte. Er beschrieb die Häufigkeit der Tests, die Anlage und in groben Zügen eine V-2. Allerdings wurde dieser Bericht genau wie der Oslo-Report vom britischen Geheimdienst nicht ernst genommen. Man verdächtigte eher Rosbaud als Doppelagenten, als diese unwahrscheinlichen Berichte über Flugkörper zu glauben, die von keiner anderen Seite bestätigt wurden.
Auch von dem Treffen zwischen den Physikern und Speer am 4.6.1942 erfuhr Rosbaud schnell. Wenig später saßen „mehrere Wissenschaftler nach einer Sitzung der Gesellschaft für Physik abends in einem Café am Ku-damm. Dort bekannten sie, wie erleichtert sie waren, daß sie die Bombe nicht bauen mußten. Rosbaud hörte still zu, aber er mußte etwas trinken, damit er ruhig bleiben konnte. Schließlich platzte er heraus: ‚Unsinn! Wenn Sie wüßten, wie man die Bombe bauen könnte, würden Sie sie ihrem Führer auf einem silbernen Tablett präsentieren!’ Alle erschraken über Rosbauds ganz uncharakteristischen Ausbruch. Die Versammlung löste sich auf. Jeder hatte Angst, manche fürchteten, Rosbauds Ausruf könnte als Provokation Schaden anrichten.“ [39] Am 10.6.1942 besuchte er den norwegischen Kernphysiker Victor Goldschmidt in Oslo und berichtete unter anderem über dieses Treffen und sein Ergebnis: es würde keine deutsche Atombombe gebaut werden. Kurz danach kam auch der Heisenberg-Schüler Hans Daniel Jensen nach Oslo und hielt ein Kolloquium ab, dessen Teilnehmer fast alle in Verbindung zum norwegischen Untergrund standen. Auch er sagte, die Deutschen könnten keine Bombe bauen, seien aber am schweren Wasser wegen eines Reaktors interessiert. [40] Eric Welsh hatte nun Berichte aus zwei verschiedenen Quellen und forderte von Rosbaud noch eine Bestätigung, die auch im Sommer 1943 kam. Der SIS versicherte der britischen Regierung, das deutsche Atomprogramm sei „kein Grund mehr zu ernsten Befürchtungen“. [41] Aber die Informationen, die über Skandinavien nach England gelangten, wurden nicht mit dem amerikanischen Geheimdienst geteilt, seit klar war, daß die Amerikaner die Briten aus ihrem Atomprogramm ausschlossen. Zwei der letzten Mitteilungen, die Amerika direkt erreichten, kamen von Friedrich (Fritz) Houtermans, einem Nazigegner, der ein Jahr nach von Weizsäcker und unabhängig von ihm das Plutonium entdeckt hatte und in einer Sondergruppe des Reichspostministers an einem Brutreaktor baute. Im April 1941 gab er dem Physiker Fritz Reiche die mündliche Nachricht mit, daß Deutschland weiter an der Atombombe forschte, wenn auch Heisenberg versuche, die Arbeit so weit wie möglich zu verzögern. Er bat die amerikanischen Forscher, sich zu beeilen. [42] Im späten Frühjahr 1942 bekam dann Leo Szilard ein Telegramm, das verschwunden ist, aber wohl besagte, die Vorbereitungen seien angelaufen, Heisenberg habe die Leitung übernommen, und er sei zu dem Schluß gekommen, daß eine atomare Kettenreaktion geeigneter sei als die Trennung von Isotopen. Szilard war mit seiner Angst vor der deutschen Bombe die treibende Kraft hinter dem amerikanischen Programm, und er schrieb nun weitere Briefe und Memoranden. Er befürchtete, „daß innerhalb der nächsten Monate die Gefahr einer Bombardierung durch die Deutschen besteht. Dabei werden sie Bomben benutzen, die so konstruiert sind, daß sie radioaktives Material in tödlichen Mengen freisetzen. Durch zuverlässige Quellen wissen wir, daß die Deutschen mit der Kettenreaktion Erfolg hatten.“ [43]
Paul Rosbaud hatte vorgehabt, auf dem Rückweg von seinem Besuch in Norwegen noch zu Niels Bohr nach Kopenhagen zu fliegen, erhielt aber keine Erlaubnis zur Zwischenlandung. Am 3.7.1942 schrieb er an Bohr: „Es wäre für mich sehr wichtig gewesen, Sie wiederzusehen. Ich wollte mit ihnen über einige Fragen sprechen, die Sie wahrscheinlich ebenso interessieren wie mich.“ [44] Nur eine Woche lag zwischen der endgültigen Entscheidung gegen eine deutsche Atombombe und Rosbauds Besuch in Norwegen, und wieder eine Woche später, am 17.6., beschlossen die Amerikaner das Manhattan Project. Wenn Rosbaud Bohr besucht hätte, dann hätte dieser ihm vertraut - Liese Meitner hätte für ihn bürgen können.
Es gab dann noch einen deutschen Besuch bei Bohr vor dessen Flucht aus Dänemark. Hans Daniel Jensen kam im Sommer 1942 vorbei und teilte Bohr offen mit, er sei auf dem Weg nach Norwegen, um eine Steigerung der Liefermengen an schwerem Wasser zu erreichen; die Deutschen seien aber nur noch an einem Reaktor interessiert. Bohr hielt Jensen jedoch gerade wegen seiner Offenheit für verdächtig.
Egal, was Heisenberg dachte, als er im Herbst 1941 Bohr besuchte, bei Rosbauds Besuch wäre es eine Tatsache gewesen, daß es kein deutsches Atombombenprojekt mehr gab. Und wenn auch keiner von Rosbauds zahlreichen späteren Berichten vom britischen an den amerikanischen Geheimdienst weitergegeben wurde – Bohr war der einzig mögliche Bote, dem sowohl General Groves als auch die Wissenschaftler geglaubt hätten. Im Herbst 1942 wäre das Manhattan Project sicher nicht mehr abgesetzt worden, aber die beteiligten Wissenschaftler hätten sich nicht mehr ganz so beeilt. Die USA hätten den Krieg auch gegen Japan gewonnen, bevor sie in der Lage gewesen wären, Atombomben abzuwerfen.
In / Antje Majewski und Ingo Niermann (Hrsg.), Atomkrieg, Lukas & Sternberg, New York 2004, S. 68 – 81
Für die Gruppenaustellung Atomkrieg, im Kunsthaus Dresden www.kunst-haus-dresden.de, kuratiert von Antje Majewski und Ingo Niermann.
[2] Im Daodejing von
Lao-tse heißt es im Abschnitt 51: „Dao entsteht im Wu. De
kultiviert sich im Wu. Dinge finden ihre Form im Wu. Einflußkraft
vollendet sich im Wu.“ Dazu erklärend aus Abschnitt 50: „Qi
wu si di.“ („Wu – diese Einheit von Leere und Fülle
ist die höchste Steigerung der Welt.“)
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[3] Eine
Gruppe im Kaiser-Wilhelm-Institut (Heisenberg, von Weizsäcker, Karl
Wirtz u.a.), eine im Heeresforschungslaboratorium in Gottrow (Leitung
Kurt Diebner), Experimente des Chemikers Paul Harteck an der Universität
Hamburg und schließlich sogar eine Sondergruppe des Reichspostministers.
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[4] Heisenberg
in Farm Hall, 1945. Siehe Dieter Hoffmann, Operation Epsilon, Die
Farm-Hall-Protokolle oder die Angst der Alliierten vor der deutschen
Atombombe, Berlin 1993, S. 217
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[5] Thomas
Powers, Heisenbergs Krieg. Die Geheimgeschichte der deutschen Atombombe, Hamburg
1993 S. 211; orig. Heisenberg’s War. The Secret History of
the German Bomb, New York 1993
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[6] Mark
Walker, Die Uranmaschine: Mythos und Wirklichkeit der deutschen Atombombe,
Berlin 1990, S. 65ff; orig. German National Socialism and the Quest
for Nuclear Power. 1939-1949, Cambridge 1989
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[7] In
einem Interview mit Joseph J. Ermenc von 1967 sagt Heisenberg: „At
this meeting held during the summer of ’42, we hesitated very much
to ask for too much money. (...) So we were very careful in speaking
about atomic bombs. But we did say that they could be made. This we had
to say, to be safe, in case the Americans would actually drop bombs;
this was a possibility.“ www.haigerloch.de/stadt/keller_englisch
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[10] Die
Frage, ob es letztlich falsche oder unterlassene Berechungen waren, die
das Projekt einer Atombombe unrealisierbar groß erscheinen ließen,
ist verwirrend komplex, denn Heisenberg hatte bei unter anderem auf Speers
Frage, wie groß eine Bombe sein müsse, um London zu zerstören,
richtig geantwortet, sie müsse so groß wie eine Ananas sein,
obwohl auch das anscheinend nicht auf einer korrekten Berechnung beruhte.
Nach Abwurf der amerikanischen Bombe ließ es Heisenberg „keine
Ruhe“, bis er eine Woche später den anderen Physikern die
Grundlagen der Bombe in einem Vortrag erklären konnte. Siehe Hoffmann, Operation
Epsilon, S. 148, S. 162, S. 171, S. 190ff
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[11] Siehe
Walker, Die Uranmaschine, S. 121ff. und 202f. Höcker
und die Arbeitsgruppe in Gottow setzten sich schließlich durch.
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[12] Die
harmlosere Variante wurde von den in Farm Hall internierten Wissenschaftlern
auf Heisenbergs Vorschlag in einem Memorandum vom 8.8.1945 formuliert:
man habe nur an einer Uranmaschine, nie an einer Bombe gearbeitet. Die
Theorie vom Widerstand der Forscher verbreitete vor allem das erste wichtige
Buch über die Entwicklung der Atombombe: Robert Jungk, Heller
als Tausend Sonnen, Stuttgart 1956, das auf Samuel Goudsmits Alsos,
London 1947, folgte. Robert Jungk hat seine Ansicht später revidiert
und war empört über den Versuch „gewisser deutscher Wissenschaftler“,
sich durch den „Mythos vom passiven Widerstand“, an den
sie schließlich selbst geglaubt hätten, reinzuwaschen. Siehe
Jungks Vorwort zu Mark Walker, Die Uranmaschine. Neuerdings
folgte das umfassend recherchierte, aber journalistisch geschriebene
Werk von Powers, Heisenberg’s War. Hier versucht Powers
eine Ehrenrettung Heisenbergs, die auch die Grundlage für Michael
Frayns Theaterstück Kopenhagen, London 1998, bildet. Eine
recht giftig argumentierende Gegenposition nimmt Paul Lawrence Rose in Heisenberg
and the Nazi Atomic Bomb Project: A Studie in German Culture, Berkeley
1998, ein.
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[13] Zuletzt
löste Frayns Kopenhagen eine Debatte aus, die die Erben
Niels Bohrs dazu brachte, im Februar 2002 vor Ablauf der Sperrfrist seine
Briefentwürfe an Heisenberg aus den Jahren 1957 bis 1962 im Internet
zu veröffentlichen. Einsehbar im Niels-Bohr-Archiv. Eine
Flut von Artikeln und mehrere Symposien folgten. www.nbi.ku.dk
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[14] Nach
Powers war der Besuch mit Karl Wirtz, Carl Friedrich von Weizsäcker,
Hans Daniel Jensen und Friedrich Houtermans abgesprochen. Siehe Heisenbergs
Krieg, S.162
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[15] Dokument
8 und 9, siehe auch Dokument 10, www.nbi.ku.dk
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[16] Nur Rose in Heisenberg and the Nazi Atomic Bomb Project argumentiert, Ernst und Carl Friedrich von Weizsäcker hätten Heisenbergs Vortragsreise organisiert, nachdem in einer Stockholmer Zeitung ein amerikanisches Atombombenprojekt angedeutet worden sei.
Zweck der Reise sei gewesen, Bohr auszuhorchen.
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[18] So
erinnert sich seine Frau, Elisabeth Heisenberg, in ihrem Buch: Das
politische Leben eines Unpolitischen, München 1991, S. 79.
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[19] In
Werner Heisenberg, Der Teil und das Ganze – Gespräche
im Umkreis der Atomphysik, München 1969, erzählt Heisenberg,
daß ihn von Weizsäcker dazu aufgefordert habe, mit Bohr über
das moralische Problem der Bombe zu reden.
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[21] in:
ebd, S. 338 - 339. Das Gespräch mit von Weizsäcker
führten Dieter Hoffmann, Helmut Rechenberg und Tilman Spengler 1993.
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[22] Von
Weizsäcker hatte seine Arbeit dem Heereswaffenamt vorgelegt, daß zum
Glück 1940 noch glaubte, der Krieg sei im nächsten Jahr vorbei,
und deshalb wohl die Forschung im kleinen Rahmen weiterlaufen ließ.
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[23] Hoffmann, Operation
Epsilon, S. 131. Siehe auch Jeremy Bernstein, Hitler’s
Uranium Club: The Secret Recordings at Farm Hall, Woodbury,
N.Y. und New York 1996.
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[25] Ebd.,
S.170. Diebner und Bagge gehörten, wie schon erwähnt, einer
Forschungsgruppe des Heereswaffenamtes an.
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[27] Jungk
schreibt im Nachwort zu „Heller als tausend Sonnen“, daß der
erste Wissenschaftler, mit dem er gesprochen habe, Fritz Houtermans war.
Dieses Gespräch zog sich bis zum Morgengrauen hin, sie tranken Kaffee
aus Laborflaschen, und Jungk, der eigentlich einen Roman hatte schreiben
wollen, war nun überzeugt, daß nichts spannender als die Wirklichkeit
sein konnte – auf die Geschichte Houtermans trifft das sicher zu.
Siehe S. 402 ff.
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[33] Das
hatte auch schon Enrico Fermi bei seinen 1934 durchgeführten Versuchen,
Uran mit Neutronen zu beschießen, nicht begriffen.
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[43] Powers, Heisenbergs
Krieg, S. 227, siehe auch 281ff. Die Wissenschaftler im Metallurgical
Laboratory in Chicago glaubten daraufhin, unmittelbar von einem Angriff
mit radioaktivem Staub bedroht zu sein, und evakuierten ihre Familien.
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