
Animismus ist ein mehrteiliges Ausstellungsprojekt, das die gegenwärtig auf breiter Ebene stattfindende Neubewertung der Moderne im Sinne von Bruno Latours Titel „Wir sind nie modern gewesen“ aufgreift. Die Ausstellung nimmt ihren Ausgangspunkt bei den künstlerisch-ästhetischen Verfahren der Animation, die vor allem aus dem Trickfilm bekannt sind, und untersucht deren Zusammenhang mit den kategorialen Grenzziehungen des modernen Weltbilds.
Die Animation nämlich verdankt ihre Attraktivität der Überschreitung von Grenzen: die Trennung von Leben und Nicht-Leben, Stasis und Bewegung, Menschlichem und Tierischem, Realität und Imagination etwa werden durch sie systematisch de-stabilisiert.
Die Ausstellung stellt diese Phänomene in den Kontext des aus der Ethnologie des 19. Jahrhunderts stammenden Animismus-Begriffs. Animismus wird im Allgemeinen als eine religiöse Praxis verstanden, die im Gegensatz zum objektivierenden Standpunkt moderner Rationalität Objekte und Natur als lebendig begreift, als unterschiedliche Formen von Subjektivität besitzend. Das Projekt wirft Fragen nach den Grenzen von Objekten und Subjekten, von Natur und Kultur, von Psyche und materieller Welt auf. Der Begriff „Animismus“ wird zum Ausgangspunkt einer Untersuchung jener Grenzen – nicht zuletzt weil diese durch die globalen und technologischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in Bewegung geraten sind und auf dem Prüfstand stehen. Mit Arbeiten von rund 30 internationalen Künstlern entsteht im Haus der Kulturen der Welt ein ethnologisches Museum der Moderne.
Die begleitende Konferenz (16. – 17.03.) bringt eine Reihe von Theoretikern und Künstlern zusammen, die an der Revision der modernen Vorstellung vom Animismus wesentlichen Anteil haben, und damit auch neue Zugänge zur Vorstellung von „Moderne" eröffnen.


27.07.2012 - 16.09.2012
MALEREI DER UNGEWISSEN GEGENDEN, Frankfurter Kunstverein
Eröffnung: 26. Juli 2012
Malerei dominiert nicht nur den Kunstmarkt sondern macht auch den mit Abstand größten Teil der gegenwärtigen Kunstproduktion aus. Erstaunlich ist daher, dass eher selten Ausstellungen realisiert werden, die sich ganz auf Malerei konzentrieren oder diese in thematischen Gruppenausstellungen berücksichtigen. Neun Jahre nach dem Publikumserfolg „deutschemalereizweitausenddrei“ (2003) zeigt der Frankfurter Kunstverein im Sommer 2012 erstmals wieder eine reine Malereiausstellung. Unter dem Titel „Malerei der ungewissen Gegenden“ werden mit Tilo Baumgärtel (Leipzig), Susanne Kühn (Freiburg), Antje Majewski (Berlin) und Hannes Michanek (Frankfurt) vier Künstler präsentiert, die sich des oft unterstellten Fetischcharakters von figurativer Malerei bewusst sind. Anhand ihrer Arbeiten soll erlebbar werden, welches Potential für Weltenentwürfe in solcher Kunst steckt.
Die Tafelbilder und malerischen Arrangements dieser Künstler kreisen um die Illusionspotentiale der Malerei. Sie weisen keine vordergründigen Bezüge zu Themen der gesellschaftlichen Gegenwart auf und können daher umso konzentrierter der Frage nach individueller Verortung in der Welt anhand metaphorischer oder allegorischer Konstellationen nachgehen. Sie präsentieren erfundene naturhafte, kulturalisierte oder soziale Welten, die als ungewisse Gegenden und damit als zur Disposition stehend erscheinen. Es sind Bilder von Vorstellungswelten, die die zeithistorische Diagnose aussetzen um eher ein Gefühl der Gegenwart zu formulieren, als diese kritisch zu analysieren. Es sind freie (Gegen-)Entwürfe zur Zeit.
„Malerei der ungewissen Gegenden“ betreibt eine Enthaltung von konkreten Fragestellungen, die sich gerade nicht in Abstraktheit äußert, sondern stattdessen Figurationen zum Gedankenexperiment anbietet. Der gemeinsame Nenner der in der Ausstellung gezeigten Bilder sind menschliche Figuren in ungewissen Gegenden - Landschaften, Interieurs oder traumhafte Räume - deren Status unklar ist und deshalb als Testfeld für Übertragungen in konkrete Kontexte offensteht: Sie können als Träger allgemeiner Ideen gelesen werden.
Die Ausstellung wird sich über die gesamte Ausstellungsfläche (800 qm) des Frankfurter Kunstvereins erstrecken. Jedem der vier Künstler steht ein Raumareal zur Verfügung, auf dem sich das jeweilige Oeuvre aus der Perspektive des Ausstellungsthemas anhand mehrerer Einzelarbeiten und Werkreihen erschließen lässt.
Kurator: Holger Kube Ventura
www.fkv.de

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